70 Jahre Recruiting-Vereinbarung mit Italien: Heimweh in der neuen Heimat
Jacqueline Röhrdanz70 Jahre Recruiting-Vereinbarung mit Italien: Heimweh in der neuen Heimat
70 Jahre Anwerbeabkommen mit Italien: Heimweh in der neuen Heimat
Teaser: Vor 70 Jahren unterzeichnete Deutschland das Anwerbeabkommen mit Italien – und die ersten sogenannten „Gastarbeiter“ trafen ein.
Artikeltext: Vor sieben Jahrzehnten schloss Deutschland sein erstes Arbeitskräfteanwerbeabkommen mit Italien. Die im Dezember 1955 getroffene Vereinbarung markierte den Beginn eines tiefgreifenden Wandels in der deutschen Gesellschaft. Kurz darauf trafen die ersten italienischen „Gastarbeiter“ ein, in der Hoffnung, Geld zu verdienen, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrten.
Die meisten dieser Arbeitsmigranten planten, nur für kurze Zeit zu bleiben. Ihr Ziel war es, Ersparnisse an die Familien in Italien zu schicken. Doch viele blieben schließlich jahrelang – oft unter harten Bedingungen.
Wohnraum war knapp, medizinische Untersuchungen mitunter entwürdigend. Trotz aller Schwierigkeiten verwurzelte sich die italienische Kultur allmählich in Deutschland. Essen, Bräuche und Sprache wurden mit der Zeit vertrauter. Zwischen 1955 und 1973 kamen rund 14 Millionen ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland. Die Italiener bildeten die erste Welle. Ihre Kinder jedoch erlebten oft Diskriminierung: Manche wurden in der Schule wegen ihrer Herkunft verspottet.
Heute leben etwa 650.000 Menschen mit italienischem Migrationshintergrund in Deutschland. Familien wie die Pollara-Gennaros pendeln zwischen Deutschland und Sizilien. Ein Schriftsteller, der über die „Gastarbeiter“-Generation schrieb, bemerkte, dass Migration einst einfacher schien – die Menschen wussten, woher sie kamen und warum sie gingen.
Das Abkommen von 1955 prägte die deutsche Gesellschaft nachhaltig. Die italienischen Arbeitsmigranten legten den Grundstein für spätere Migrationsbewegungen. Ihr Erbe lebt bis heute in Gemeinden, der Küche und im Leben ihrer Nachkommen weiter.
