Apothekerin schließt Filiale: "Die Belastung war nicht mehr zu stemmen"
Milan SüßebierApothekerin schließt Filiale: "Die Belastung war nicht mehr zu stemmen"
Wafaa Choukrane, eine 34-jährige Apothekerin, hat eine ihrer drei Apotheken in Dortmund wegen steigender Kosten und einer nicht mehr tragbaren Arbeitsbelastung schließen müssen. Diese Entscheidung fällt nur ein Jahr, nachdem sie zwei weitere Filialen vom früheren Besitzer Frank Grote übernommen hatte. Nun warnt sie: Ohne bessere finanzielle Unterstützung könnten weitere kleine Apotheken ein ähnliches Schicksal ereilen.
Anfang 2025 hatte Choukrane zwei Apotheken in Bochum von Grote gekauft, was ihre ohnehin schon hohe Arbeitslast weiter erhöhte. Grote, der die Betriebe jahrelang geführt hatte, blieb nach dem Verkauf als Angestellter tätig. Doch der Übergang gestaltete sich schwierig: Personalmangel und geringe Motivation unter den verbliebenen Mitarbeitern zwangen sie dazu, Notdienste selbst zu übernehmen – oft eine kaum zu bewältigende Herausforderung.
Besonders problematisch wurde die Filiale in Dortmund-Wasserburg. Geringe Kundenzahlen, explodierende Stromrechnungen und dünne Personaldecke ließen Choukrane keine andere Wahl, als den Standort zu schließen. Die Dienstleistungen verlegte sie in ihre Ardey-Apotheke, nur 500 Meter entfernt, um die Versorgung der Patienten dennoch zu gewährleisten. Doch selbst nach dieser Zusammenlegung blieb der Druck, drei Standorte zu betreiben, unerträglich.
Zeitweise arbeitete Choukrane bis zu 72 Stunden am Stück – ohne Pausen oder Urlaub. Der unerbittliche Einsatz führte zu finanziellen Verlusten und zwang sie, die Zukunftsfähigkeit aller Filialen infrage zu stellen. Nun, mit nur noch zwei Apotheken, sucht sie nach Lösungen, um die Erreichbarkeit zu verbessern, etwa durch zusätzliche Parkplätze.
Ihr größtes Problem bleiben jedoch die niedrigen Erstattungssätze der Krankenkassen. Diese, so ihre Argumentation, decken weder die steigenden Personalkosten noch die betrieblichen Ausgaben. Ohne eine Anpassung fürchtet sie, dass immer mehr kleine, unabhängige Apotheken verschwinden – und damit die lokale Versorgung in den Gemeinden schrumpft.
Choukranes Entscheidung, eine Apotheke zu schließen, unterstreicht die wachsenden Belastungen für selbstständige Apotheker. Höhere Vergütungssätze und bessere Personalunterstützung könnten darüber entscheiden, ob kleine Apotheken langfristig überleben. Bis dahin konzentriert sie sich darauf, die Versorgung in ihren beiden verbleibenden Filialen aufrechtzuerhalten.
