Bielefelder Apotheken kämpfen gegen Online-Konkurrenz und politische Reformpläne
Milan SüßebierBielefelder Apotheken kämpfen gegen Online-Konkurrenz und politische Reformpläne
Apotheken in der Nähe von Bielefeld stehen unter wachsendem finanziellen und betrieblichen Druck
Bielefelds Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer traf sich mit Apothekeninhabern, um über aktuelle Herausforderungen zu sprechen – darunter unfaire Konkurrenz durch Online-Anbieter wie Shop Apotheke und Apotal sowie steigende Kosten. Im Mittelpunkt stand auch die Sorge vor einer geplanten Reform, die die Versorgungsqualität für Patienten gefährden könnte.
Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), schilderte Bauer die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der lokalen Apotheken. Er verwies auf stagnierende Vergütungen und explodierende Ausgaben, die mittlerweile ein Drittel aller Apotheken in Deutschland in die finanzielle Schieflage bringen. Allein im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken seit 2012 von vier auf heute nur noch eine gesunken.
Kritik zog der Entwurf der aktuellen Koalitionsregierung auf sich, da er zentrale Forderungen der Apotheker ignoriert. Die geforderten Gebührenerhöhungen wurden nicht umgesetzt, sondern auf unbestimmte Zeit vertagt. Noch problematischer: Der Vorschlag sieht vor, die Präsenzpflicht von Apothekern vor Ort abzuschaffen – ein Schritt, der die Beratungsqualität für Patienten verschlechtern könnte. Zudem fehlt im Entwurf ein rechtlicher Schutz für die Festpreisregelung bei Medikamenten, die bisher für stabile Arzneimittelkosten sorgt und Verbraucher vor Preisschwankungen bewahrt.
Oberbürgermeisterin Bauer, ausgebildete Juristin, sicherte den Apothekenvertretern ihre Unterstützung zu. Sie kündigte an, sich auf Bundes- und Landesebene sowie über den Deutschen Städtetag für eine Stärkung der lokalen Apothekenversorgung einzusetzen. Bauer argumentierte, ein erneutes Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten sei rechtlich vertretbar, sofern Online-Apotheken nicht das gleiche Servicelevel wie stationäre Apotheken bieten könnten. Die anwesenden Apotheker drängten sie zudem, die Festpreisregelung auch auf ausländische Versandapotheken auszuweiten, da deren aktueller Wettbewerbsvorteil zu ungerechten Marktbedingungen führe.
Trotz der schwierigen Lage zeigen die offiziellen Zahlen für 2023 keine Apotheken-Schließungen aufgrund finanzieller Not in Deutschland. Stattdessen gab es bundesweit einen Netto-Zuwachs von 128 Apotheken bei nur neun registrierten Schließungen insgesamt.
Das Treffen in Bielefeld unterstrich den dringenden Handlungsbedarf, um lokale Apotheken durch politische Maßnahmen zu schützen. Ohne stärkere rechtliche Absicherung und faire Vergütung droht dem Sektor ein weiterer Rückgang – besonders in kleineren Stadtteilen. Bauer Engagement in der Interessenvertretung könnte eine Schlüsselrolle für künftige Reformen auf regionaler und nationaler Ebene spielen.
