Das mysteriöse Tölzer Zauberspruchbuch und der Gefängnisausbruch von 1704
Rolf-Peter ScheelDas mysteriöse Tölzer Zauberspruchbuch und der Gefängnisausbruch von 1704
Ein Manuskript aus dem 17. Jahrhundert, lange Zeit von Geheimnissen umwoben, ist wieder in der bayerischen Geschichte aufgetaucht. Bekannt als das Tölzer Zauberspruchbuch, soll der Text einem Mann mit schwarzer Magie zur Flucht aus dem Gefängnis verholfen haben. Dr. Christoph Bachmann, der Direktor des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München, hat das Dokument kürzlich in einem neuen Fachartikel für die Nachrichten aus den Staatsarchiven untersucht.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Georg Siegmund, ein Mann aus Lenggries, der 1704 inhaftiert wurde. Historischen Überlieferungen zufolge soll er mithilfe von Zaubersprüchen aus dem buch aus der Haft geflohen sein. Seine Freiheit währte jedoch nicht lange – später wurde er wieder gefasst und hingerichtet.
Das Manuskript selbst gehört zu den umfangreichen Beständen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, das insgesamt 55 Kilometer bücher bewahrt. Die Digitalisierung dieser Schätze hat für die Einrichtung hohe Priorität, um seltene Dokumente wie dieses einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der 62-jährige Münchner Dr. Bachmann forscht seit Jahrzehnten zu historischen Themen, darunter auch zu diesem rätselhaften Text. In seinem Artikel geht er der Frage nach, ob das buch tatsächlich magische Kräfte besaß oder lediglich ein Produkt des Aberglaubens war. Das Dokument bleibt ein faszinierendes Zeugnis der bayerischen Vergangenheit, in dem sich Volksglaube und aufgezeichnete Geschichte vermischen.
Das Tölzer Zauberspruchbuch gewährt einen seltenen Einblick in die frühneuzeitlichen Vorstellungen von Magie und Gerechtigkeit. Während das Schicksal Georg Siegmunds gut dokumentiert ist, bleiben die angeblichen Kräfte des buches unbewiesen. Das Bayerische Hauptstaatsarchiv setzt seine Arbeit fort, solche bücher zu erforschen und zu bewahren – und sorgt so dafür, dass ihre Geschichten nicht in Vergessenheit geraten.
