Deutschlands Fernmeldetürme kämpfen um ihr Überleben – und um unsere Erinnerung
Rolf-Peter ScheelDeutschlands Fernmeldetürme kämpfen um ihr Überleben – und um unsere Erinnerung
Deutschlands ikonische Fernmeldetürme – einst Anziehungspunkte für Besucher – stehen vor einer ungewissen Zukunft. Viele mussten wegen steigender Kosten und verschärfter Sicherheitsvorschriften schließen, andere finden keine Investoren. Nur noch wenige sind für die Öffentlichkeit zugänglich, doch damit gerät ein Stück Ingenieurskunst in Vergessenheit.
Vor Jahrzehnten waren diese Türme mehr als nur Sendemasten: Sie beherbergten Aussichtsplattformen, Drehrestaurants und sogar Nachtclubs, die mit ihren Skyline-Blicken Scharen von Besuchern anzogen. Der 338 Meter hohe „Ginnheimer Spargel“ in Frankfurt etwa war ein beliebter Treffpunkt – bis zu seiner Schließung 1999. Eine Machbarkeitsstudie von 2023 bezifferte die Sanierungskosten auf 50 Millionen Euro, doch die Finanzierung stockt. Die Bundesregierung bot an, die Hälfte zu übernehmen, wenn sich das Land Hessen und die Stadt Frankfurt die restlichen Kosten teilen – doch eine Einigung blieb aus.
Der Wandel von der Signalübertragung per Turm zu Glasfaserkabeln und Satelliten hat viele dieser Bauwerke ohne Mieter – und damit ohne Einnahmen – zurückgelassen. Strengere Sicherheitsauflagen erfordern nun teure Modernisierungen, was weitere Schließungen beschleunigt. Der Mannheimer Turm, seit 1983 im Besitz der Deutschen Bundespost, wird am 31. Dezember 2025 dichtmachen, sofern keine Rettungsgelder fließen. Währenddessen warten der Kölner „Colonius“ und der Nürnberger Turm auf Investoren, um wiedereröffnet zu werden.
Doch nicht alle Hoffnung ist verloren: Die Türme in Berlin, Düsseldorf, Dortmund und Stuttgart empfangen weiterhin Gäste, und der Münchner Turm soll nach der Sanierung wieder öffnen. Hamburg und Dresden könnten bald folgen – mit einem Finanzmodell ähnlich dem gescheiterten Frankfurter Plan. Für den „Ginnheimer Spargel“ jedoch wird die Zeit knapp: Die Bundesförderung läuft Ende 2025 aus, und ohne eine Vereinbarung zwischen Land und Stadt rechnet die Deutsche Funkturm (DFMG) damit, dass er geschlossen bleibt.
Das Schicksal dieser Bauwerke hängt nun von Geld und politischem Willen ab. Manche könnten mit neuen Geldgebern wiedereröffnet werden, andere – wie der Mannheimer Turm – stehen vor der endgültigen Schließung. Ohne Eingreifen droht ein Stück deutscher Architekturgeschichte aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden.
