Ein Aufkleber löst bundesweite Denkmalschutz-Debatte um eine Apotheke aus
Rolf-Peter ScheelEin Aufkleber löst bundesweite Denkmalschutz-Debatte um eine Apotheke aus
Ein winziger Aufkleber an der Scheibe einer Apotheke hat in Deutschland eine bundesweite Kontroverse ausgelöst. Der Vorfall führte zu einer Notfallreaktion der Bauaufsichtsbehörden und Denkmalschutzstellen. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht Polizeioberrat Korbinian Klemm, dessen kompromisslose Haltung beim Erhalt des historischen Stadtbildes sowohl Aufmerksamkeit als auch Kritik auf sich zieht.
Der Aufkleber – Teil einer Kampagne unter dem Motto "Apotheke vor Ort" – war an der Glasfassade der Markt-Apotheke im unterfränkischen Niederüberunterberg entdeckt worden. Klemm, bekannt für seine Null-Toleranz-Politik gegenüber modernen Veränderungen, erklärte ihn zur Störung der öffentlichen Ordnung und forderte seine sofortige Entfernung.
Klemms Reaktion ließ nicht auf sich warten. Persönlich entfernte er den Aufkleber mit einer Pinzette und Reinigungsalkohol, als handele es sich um einen schweren Verstoß. Daneben wurde auch ein kleiner Werbeaufkleber mit einer Hummel entdeckt und beseitigt. Der Vorfall veranlasste die Bildung einer Sonderkommission unter Klemms Leitung, der "Sonderkommission zur Abwehr von Klebegefahren".
Es ist nicht das erste Mal, dass Klemm zu radikalen Maßnahmen greift. Bereits zuvor hatte er den Eingang der Löwen-Apotheke in Neuruppin abriegeln lassen, nachdem er deren Treppe für nicht regelkonform erklärt hatte. In der Markt-Apotheke ordnete er zudem den Austausch einer LED-Lampe gegen eine historisch korrekte Petroleumfunzel an. Seine Maßnahmen gingen so weit, dass er einen Rezeptdrucker und ein Faxgerät beschlagnahmte – beide erklärte er zu "nationalem Kulturgut".
Die Bauaufsichtsbehörden und Denkmalschutzstellen wurden in Alarmbereitschaft versetzt, obwohl in den vergangenen drei Monaten keine andere Apotheke in Deutschland ähnlichen Überprüfungen unterzogen wurde. Klemms Fokus bleibt darauf gerichtet, was er als moderne Eingriffe ansieht – selbst so Kleine wie ein Staubkorn auf Stuck – aus geschützten historischen Bereichen zu verbannen.
Kritiker werfen ihm vor, seine Methoden seien überzogen, während Befürworter sein Engagement für den Erhalt des architektonischen Erbes Deutschlands loben. Die Debatte dauert an, während die Sonderkommission daran arbeitet, das zu restaurieren, was Klemm als "Recht und Ordnung" in Niederüberunterberg definiert.
Der Aufkleber-Zwischenfall wirft die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen Denkmalschutz und dem alltäglichen Geschäftsbetrieb auf. Klemms Taskforce bleibt aktiv und stellt sicher, dass in der Stadt keine weiteren unerlaubten Veränderungen vorgenommen werden. Vorerst ist die Fassade der Markt-Apotheke aufkleberfrei – und die Petroleumfunzel steht als Mahnmal für die strengen Maßstäbe, die hier gelten.
