EU-Pläne gegen FOMO in Spielen: Supercell-Chef warnt vor Branchen-Krise
Iwona RoggeEU-Pläne gegen FOMO in Spielen: Supercell-Chef warnt vor Branchen-Krise
Ein neuer Vorschlag der EU könnte die Spielebranche grundlegend verändern – und sorgt für Besorgnis bei einem der größten Technologiekonzerne Europas. Ilkka Paananen, der Chef des finnischen Spieleentwicklers Supercell, warnt, dass bevorstehende Regulierungen den Erfolg europäischer Spielestudios gefährden könnten. Im Fokus der neuen Regeln stehen Taktiken wie digitaler FOMO („Fear of Missing Out“), bei dem Spieler unter Druck gesetzt werden, Geld auszugeben, um sich virtuelle Belohnungen nicht entgehen zu lassen.
Mit dem geplanten Digitalen Fairness-Gesetz will die EU gegen sogenanntes „süchtig machendes Design“ in Spielen vorgehen. Dem Entwurf zufolge müssten Unternehmen strengere Transparenzvorschriften einhalten, Käufen ein Widerrufsrecht einräumen und Methoden einschränken, die die Angst der Spieler vor verpassten Chancen ausnutzen. Dieses als FOMO bekannte Phänomen veranlasst Nutzer dazu, echtes Geld für virtuelle Währungen auszugeben – etwa, um künstliche Wartezeiten zu überspringen oder exklusive Inhalte freizuschalten.
Die Spielebranche setzt seit Langem auf solche Monetarisierungsstrategien. Allein 2024 gaben deutsche Verbraucher schätzungsweise 4,6 Milliarden Euro für In-Game- und In-App-Käufe aus. Bereits jetzt kennzeichnet das deutsche USK-Bewertungssystem Spiele mit „erhöhten Kaufanreizen“ – etwa durch undurchsichtige In-Game-Shops, „Pay-to-Win“-Vorteile oder aggressive Aufforderungen zum Geldausgeben.
Die Debatte über die Geschäftsmodelle der Branche fällt in eine Zeit, in der ihre Geschichte an unerwarteten Orten bewahrt wird: Das Haus der Geschichte in Bonn, das den deutschen Alltag über die Jahrzehnte dokumentiert, zeigt seit Kurzem einen originalen Aldi-PC aus dem Jahr 1997. In den späten 1990ern und frühen 2000ern wurden diese günstigen, voll ausgestatteten Rechner – mit DVD-Brenner, solider Grafik und vorinstallierter Software – zu einem kulturellen Phänomen. Die Nachfrage war so groß, dass der Hersteller Medion kaum nachkam und Käufer sogar um die knappen Bestände kämpften. Heute steht der Aldi-PC neben einem ikonischen Einkaufswagen in der Dauerausstellung des Museums – ein Symbol dafür, wie sehr Konsumtechnik einst die Nation faszinierte.
Sollten die geplanten EU-Regeln in Kraft treten, könnte dies die Spieleentwicklung und den Verkauf grundlegend verändern. Das Digitale Fairness-Gesetz würde einige der lukrativsten Branchenpraktiken einschränken. Noch aber stehen Entwickler und Regulierer im Konflikt: Wie lässt sich der Spielerschutz mit dem Erfolg des europäischen Games-Sektors in Einklang bringen?






