31 May 2026, 20:36

"Gastarbeiter"-Schicksale: Wie Integration und psychische Gesundheit vernachlässigt wurden

"Kartonwand": Fatih Çevikkollu's Reading on Migration and Psychological Traces in Old Age

"Gastarbeiter"-Schicksale: Wie Integration und psychische Gesundheit vernachlässigt wurden

Vor mehr als 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Unter ihnen waren die Eltern von Fatih Çevikkollu, die die Türkei für einen vorübergehenden Aufenthalt verließen, am Ende aber in ihrem neuen Land ein Leben aufbauten. Ihre Geschichte spiegelt die Herausforderungen wider, mit denen viele Migrantinnen und Migranten konfrontiert waren – vom Verlust des beruflichen Status bis hin zu späteren psychischen Problemen.

In den 1960er- und 1970er-Jahren rekrutierte Deutschland Tausende „Gastarbeiter“ aus Ländern wie der Türkei. Çevikkollus Vater, ein ausgebildeter Schlosser aus Adana, und seine Mutter, eine Grundschullehrerin, gehörten zu dieser Welle. Ursprünglich war die Rückkehr in die Heimat geplant, doch wirtschaftliche Veränderungen in Deutschland und der Türkei führten dazu, dass das Rotationsprinzip abgeschafft wurde.

Çevikkollus Mutter, einst Pädagogin, arbeitete in Deutschland als Näherin – ein beruflicher Abstieg, der ihre Integration erschwerte. Jahrzehnte später lebte sie allein und litt vermutlich an einer Psychose, die viel zu lange unbehandelt blieb.

Ältere Migrantinnen und Migranten sehen sich oft besonderen psychischen Belastungen gegenüber. Einsamkeit ist weit verbreitet, wie Dr. Uwe Johansson und Dr. Gursel Çapanoğlu betonen. Viele kämpfen zudem mit unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen von Krankheit, bei denen seelische Not eher durch körperliche als durch emotionale Symptome zum Ausdruck kommt. Die LWL-Klinik Dortmund bietet mittlerweile eine interkulturelle ambulante Sprechstunde an, die kultursensible psychiatrische Versorgung ermöglicht. Dennoch bleiben die Hürden hoch.

Fachleute wie Dr. Johansson fordern mehrsprachige Betreuung, Dolmetscherdienste und Therapien, die auf die Herkunft der Migrantinnen und Migranten zugeschnitten sind. Ohne solche Angebote bleibt eine wirksame Behandlung für viele unerreichbar.

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Die Erfahrungen von Migranten wie den Eltern Çevikkollus zeigen die langfristigen Defizite bei Integration und Gesundheitsversorgung auf. Zwar gibt es inzwischen spezialisierte Kliniken, doch der Zugang bleibt für die ältere Generation schwierig. Bessere Sprachmittlung und kultursensible Therapieangebote könnten helfen, die psychischen Bedürfnisse alternder Migrantengemeinschaften zu erfüllen. Ohne solche Veränderungen werden viele weiterhin mit Isolation und unbehandelten Erkrankungen leben müssen.

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