Geraubtes Schmidt-Rottluff-Gemälde kehrt zu jüdischen Erben zurück – bleibt aber im Museum
Iwona RoggeBeutekunst: Gemälde bleibt in Wuppertal - Geraubtes Schmidt-Rottluff-Gemälde kehrt zu jüdischen Erben zurück – bleibt aber im Museum
Ein Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff, Zwei Frauen (Frauen in Grün), wurde an die Erben einer jüdischen Familie zurückgegeben, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Das Kunstwerk wurde später vom Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal zurückgekauft. Die Einigung ist das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen und markiert die zweite bedeutende Restitution an die Hess-Erben in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr allein.
Das Gemälde gehörte ursprünglich Alfred Hess, einem jüdischen Industriellen, der 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus Deutschland floh. Noch im selben Jahr wurde das Kunstwerk in die Schweiz gebracht, um es in Sicherheit zu bringen. 1937 schickte seine Witwe, Thekla Hess, es zurück an den Kölner Kunstverein, um eine Beschlagnahmung durch die Gestapo zu vermeiden. Der Verein behauptete später, das Werk sei während des Krieges verloren gegangen.
1947 tauchte das Gemälde wieder auf – diesmal in der Sammlung des Wuppertaler Städtischen Museums, das es vom Kölner Kunsthändler Aloys Faust erworben hatte. Jahrzehnte später, im Jahr 2021, kaufte das Kunstmuseum Moritzburg das Werk von einem Privatverkäufer mit Förderung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zwei Jahre danach wurde es offiziell an die Hess-Erben restituiert. Der jüngste Rückkauf wurde durch eine gemeinsame Initiative der Freiherr-von-der-Heydt-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder und weiterer Organisationen ermöglicht. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, betonte die Notwendigkeit, sich mit den Hintergründen dieser Kunstwerke auseinanderzusetzen. Die Regelung ermöglicht es, dass das Gemälde in der Museumssammlung bleibt, während seine Vergangenheit anerkannt wird.
Für die Familie Hess ist dies nicht die erste Restitution: 2006 wurde nach einem langen Rechtsstreit Ernst Ludwig Kirchners Berliner Straßenbild an sie zurückgegeben. Die aktuelle Vereinbarung setzt eine Reihe von Schritten fort, mit denen historische Ungerechtigkeiten im Kunstbereich aufgearbeitet werden.
Durch den Rückkauf bleibt Zwei Frauen (Frauen in Grün) im Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal – nun mit voller Anerkennung seiner Herkunft. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Bemühungen, NS-Raubkunst zu restituieren und verfolgten Familien ihr kulturelles Erbe zurückzugeben. Mehrere Stiftungen beteiligten sich an der Finanzierung und zeigen damit einen kooperativen Ansatz zur Lösung solcher Ansprüche.
