Giftige Chemikalie in 92 Prozent der Kinder-Urinproben nachweisbar – Experten schlagen Alarm
Milan SüßebierUmweltbehörde: Schädliche Substanz in Urin von fast allen Kindern gefunden - Giftige Chemikalie in 92 Prozent der Kinder-Urinproben nachweisbar – Experten schlagen Alarm
Besorgniserregender Anstieg der Chemikalienbelastung bei Kindern in Deutschland
In Deutschland wurde ein alarmierender Anstieg der Belastung von Kindern mit Schadstoffen aufgedeckt. Tests aus dem Jahr 2025 zeigten, dass in 92 Prozent der Urinproben von Jugendlichen MnHexP nachweisbar war – ein giftiger Stoff, der mit Schäden für die Fortpflanzungsfähigkeit in Verbindung gebracht wird. Die Chemikalie, ein Abbauprodukt eines in der EU verbotenen Weichmachers, konnte auf kontaminierte Sonnencremes zurückgeführt werden.
Erstmals aufgetreten war das Problem 2024, als das Umweltbundesamt (UBA) MnHexP in Urinproben entdeckte. Damals wiesen 61 Prozent von 250 getesteten Kindern Spuren der Substanz auf. Doch im Frühling und Sommer 2025 verschärfte sich die Lage: Bei 92 Prozent von 259 Proben von Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren wurde MnHexP gefunden – teilweise in Konzentrationen, die die Sicherheitsgrenzen überschritten.
Besonders hoch waren die Werte bei zwei Teilnehmern der Studie aus dem Jahr 2025: Sie lagen bei 83 bzw. 107 Mikrogramm pro Liter Urin. Damit überstiegen sie den vom UBA festgelegten Referenzwert von 60 Mikrogramm pro Liter – einen Schwellenwert, ab dem gesundheitliche Risiken drohen. Zudem stellte die Behörde fest, dass viele Kinder gleichzeitig mehreren fortpflanzungsgefährdenden Giftstoffen in bedenklichem Ausmaß ausgesetzt waren.
MnHexP entsteht, wenn der Körper Di-n-hexyl-phthalat (DnHexP) abbaut, einen Weichmacher, der in der EU bereits verboten ist. Untersuchungen ergaben, dass die Belastung auf einen UV-Filter in Sonnencremes zurückzuführen ist. Trotz dieser Erkenntnisse treten verschärfte EU-Beschränkungen für DnHexP in diesen Produkten erst im Januar 2027 in Kraft.
Schon 2024 hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen auf das Problem hingewiesen. Damalige Tests bestätigten MnHexP im Urin von Vorschulkindern und unterstrichen die Sorge vor einer flächendeckenden Belastung.
Die Ergebnisse von 2025 zeigen einen deutlichen Anstieg der MnHexP-Belastung seit den ersten Meldungen im Vorjahr. Da strengere EU-Regeln noch zwei Jahre auf sich warten lassen, bleiben kontaminierte Sonnencremes eine Risikoquelle. Die Behörden beobachten die Entwicklung weiter, während die Chemikalienbelastung von Kindern weiterhin unter kritischer Beobachtung steht.
