13 December 2025, 13:32

Grimme Online Award: Preisträger protestieren gegen Aberkennung einer Auszeichnung

Eine Person steht an einem Podium mit einem Mikrofon, spricht, mit einem digitalen Bildschirm dahinter.

Grimme Online Award: Preisträger protestieren gegen Aberkennung einer Auszeichnung

Preisträger lehnen Auszeichnung ab

Zwei Preisträger des Preises für Netjournalismus verzichten auf die Ehrung. Hintergrund ist der Streit um die Auszeichnung einer Nahost-Aktivistin.

  1. Oktober 2025, 08:44 Uhr

Die Verleihung des Grimme Online Awards in Essen nahm eine unerwartete Wendung, als zwei Preisträger ihre Auszeichnung aus Protest ablehnten. Die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block ließen ihre Trophäe nach der Aberkennung eines anderen Preises demonstrativ auf der Bühne zurück. Erstmals fand die Veranstaltung zudem im ehemaligen Colosseum Musical Theater statt.

Im Mittelpunkt der Kontroverse stand die Aktivistin Judith Scheytt, deren Auszeichnung vom unabhängigen Förderverein wegen Antisemitismusvorwürfen zurückgenommen worden war. Währenddessen wurden andere Projekte geehrt, darunter ein Spiel über den Untergang der DDR und ein Podcast über parlamentarische Arbeit.

Festivalsleiterin Çiğdem Uzunoğlu, die die Veranstaltung neu prägt, äußerte zu Beginn die Hoffnung, Essen könne zum dauerhaften Austragungsort des Preises werden. Zu den Gewinnern zählte der Podcast Parlamentsrevue (Kategorie Information), der mit kleinem Team parlamentarische Prozesse verständlich aufbereitet. Ein weiteres Highlight war das Spiel Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig, das Spieler:innen Schlüsselereignisse der Wendezeit erleben lässt.

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Auch Gesundheits- und Lifestyle-Themen waren stark vertreten: Die Formate Little Monsters (WDR) und Know & Grow (SWR für funk) wurden in diesem Bereich ausgezeichnet.

Doch die Feier wurde jäh unterbrochen: Riesewieck und Block, selbst Preisträger für ein eigenes Projekt, stellten ihren Grimme Online Award auf das Podium und verließen die Bühne. Ihr Protest richtete sich gegen die Aberkennung von Scheytts Auszeichnung, die der Förderverein Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises nach Antisemitismusvorwürfen beschlossen hatte. Teile der Jury hatten sich gegen diesen Schritt ausgesprochen, doch der Verein handelte eigenständig.

Block kritisierte später, die Rücknahme sei ein direkter Angriff auf die Unabhängigkeit der Jury und warf externen Druck vor, das Verfahren unterlaufen zu haben. Riesewieck ging noch weiter und warf Grimme-Direktorin Uzunoğlu vor, Verantwortung zu meiden. Diese bezeichnete die Entscheidung des Vereins als „formell inkorrekt“ und kündigte eine Prüfung der Strukturen an – inklusive einer möglichen Trennung vom Förderverein in Zukunft.

Nach dem Eklat räumte ein Mitarbeiter des Grimme-Instituts den zurückgelassenen Preis von der Bühne.

Die Veranstaltung endete mit ungelösten Spannungen um die aberkannte Auszeichnung und den Protest der Regisseure. Uzunoğlu bestätigte Pläne, das Verhältnis zwischen dem Grimme-Institut und dem Förderverein neu zu bewerten. Ob Essen dauerhaft Veranstaltungsort bleibt, ist noch ungewiss – die Organisatoren hoffen jedoch auf eine langfristige Perspektive.

Die Preisträger, die ihre Auszeichnungen annahmen – darunter die Macher von Parlamentsrevue und Herbst 89 –, sahen ihre Arbeit trotz der Kontroverse gewürdigt.