Grüner Wasserstoff in Deutschland: Warum die Kosten den Fortschritt blockieren
Jacqueline RöhrdanzGrüner Wasserstoff in Deutschland: Warum die Kosten den Fortschritt blockieren
Deutschlands Vorstoß für grünen Wasserstoff scheitert an hohen Kosten
Die Bemühungen Deutschlands, erneuerbaren Wasserstoff voranzutreiben, stoßen auf ein großes Hindernis: die Kosten. Die Produktion von elektrolytischem Wasserstoff bleibt deutlich teurer als die von Erdgas – hohe Strompreise und strenge Vorschriften treiben die Ausgaben weiter in die Höhe. Nun schlagen Branchenverbände eine neue Strategie vor, um die Markteinführung zu beschleunigen – im Mittelpunkt stehen staatlich gestützte Zwischenhändler, sogenannte "Wasserstoff-Midstreamer".
Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) hat einen Plan vorgelegt, um die Wasserstoffexpansion wiederzubeleben. Kern der Idee sind Midstreamer – Unternehmen, die als langfristige Vermittler zwischen Erzeugern und Abnehmern fungieren. Sie sollen Verträge abschließen, um Preise zu stabilisieren und Investitionsrisiken zu verringern, wodurch eine zuverlässige Lieferkette sichergestellt wird.
Das Modell setzt auf öffentliche Förderung, um die Lücke zwischen Produktionskosten und der Zahlungsbereitschaft der Verbraucher zu schließen. Ein Differenzvertrag (Contract-for-Difference, CfD) würde die Differenz ausgleichen, wobei die Subventionen auf mittlere bis hohe einstellige Milliardenbeträge pro Jahr für eine Million Tonnen Wasserstoff geschätzt werden. Um Investoren zu gewinnen, müsste die Förderung Planungssicherheit für mindestens ein Jahrzehnt, idealerweise fünfzehn Jahre, garantieren. Die Midstreamer selbst würden technologieneutral agieren und sowohl erneuerbaren Wasserstoff (RFNBO) als auch andere CO₂-arme Varianten handhaben. Staatliche Garantien sollen sie zusätzlich vor Risiken absichern.
Der Branchenverband DVGW schlägt vor, dass Unternehmen wie RWE, Uniper und ThyssenKrupp ab 2025 den Transport, die Speicherung und Verteilung übernehmen könnten. Der Vorschlag lehnt verbindliche Quoten und übermäßige Bürokratie explizit ab – beides würde laut VIK die Kosten in die Höhe treiben und die globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schwächen.
Ziel des Plans ist es, Risiken für Erzeuger und Abnehmer zu verringern und gleichzeitig den industriellen Einsatz von Wasserstoff auszubauen. Bei Umsetzung könnte dies die Kosten senken und die Markteinführung in den nächsten zehn Jahren beschleunigen. Der Erfolg hängt jedoch von anhaltender öffentlicher Förderung und der Fähigkeit der Midstreamer ab, langfristige Verträge abzuschließen.
