Mehr Köchinnen als Köche – doch warum fehlen sie in Führungspositionen?
Iwona RoggeMehr Köchinnen als Köche – doch warum fehlen sie in Führungspositionen?
Deutschlands kulinarische Szene im Wandel: Immer mehr Frauen in Profiküchen – doch Führungspositionen bleiben ungleich verteilt
2024 markiert einen Meilenstein: Zum ersten Mal stellen Frauen die Mehrheit der ausgebildeten Köchinnen und Köche in den bundesländern Deutschlands. Doch nur 33 Prozent von ihnen besetzen Spitzenpositionen. Die neue Plattform Chef:in will das ändern – durch mehr Sichtbarkeit und Vernetzung für weibliche Talente.
Die Kluft zwischen Ausbildung und Führung ist eklatant. Zwar schlossen 2024 mehr Frauen ihre Kochlehre ab, doch in Hamburg begannen im vergangenen Jahr sogar weniger Frauen eine kulinarische Ausbildung. Auch bei Auszeichnungen zeigt sich das Ungleichgewicht: 2025 erhielten nur 14 Köchinnen in deutschland einen Michelin-Stern.
Viele Küchenchefinnen kämpfen für strukturellen Wandel. Zora Klipp, Küchenchefin im Café Weidenkantine und im Restaurant Blattgold, setzt auf pflanzliche Gerichte und hinterfragt gleichzeitig traditionelle Küchenhierarchien. Clara Hunger eröffnete mit Nullkommaeins eine Pop-up-Bar im Hamburger Stadtteil St. Pauli und bereichert damit die wachsende Szene weiblich geführter Gastronomie.
Denise Wachter ging einen Schritt weiter und gründete Chef:in, deutschlands erste Plattform für Spitzenköchinnen. Das Verzeichnis stößt bereits auf großes Interesse – sogar TV-Produktionsfirmen nutzen es, um Talente für neue Formate zu entdecken. Doch die Plattform bietet mehr als nur Sichtbarkeit: Sie fördert Vernetzung und setzt sich für familienfreundliche Arbeitsbedingungen in der Branche ein.
Der Aufstieg von Initiativen wie Chef:in zeigt Fortschritt – aber auch die anhaltenden Herausforderungen. Nun, da Frauen die Mehrheit der ausgebildeten Köch:innen in den bundesländern stellen, rückt die Frage nach Führung und Anerkennung in den Fokus. Netzwerke und Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben könnten helfen, die verbleibenden Lücken in deutschlands Gastronomie zu schließen.
