04 February 2026, 07:16

NRW plant ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten – doch Schulen warnen vor Überlastung

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.

NRW plant ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten – doch Schulen warnen vor Überlastung

Nordrhein-Westfalen plant verpflichtende ABC-Kurse für Kinder mit schwachen Deutschkenntnissen vor der Einschulung. Doch bis zu 4.000 zusätzliche Lehrkräfte werden benötigt, um das Vorhaben bis 2026 umzusetzen. Schulen und Kommunen warnen jedoch, dass Platzmangel, Finanzierungslücken und Personalengpässe das Projekt bereits im Ansatz scheitern lassen könnten.

Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) betont, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Grundschule besuchen solle. Künftig müssen Kinder, die bei einer frühen Sprachstandserhebung durchfallen, diese vorbereitenden ABC-Kurse besuchen. Kritiker monieren jedoch, dass das Problem damit nur von Kitas in die ohnehin schon überlasteten Schulen verlagert werde.

Viele Grundschulen – wie etwa in Solingen – sind bereits jetzt am Limit. Klassenzimmer, Gruppenräume und selbst die Nachmittagsbetreuung in Containerlösungen sind knapp. Lehrermangel führt zu regelmäßigem Unterrichtsausfall. Die geplanten ABC-Kurse könnten die ohnehin überlasteten Sozialpädagog:innen weiter überfordern und die Bildungsqualität eher verschlechtern als zu verbessern.

Die Lehrergewerkschaft VBE schlägt stattdessen ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr mit mehr Personal und stärkerer Unterstützung durch Hochschulen und Berufskollegs vor. Auch Kommunen hinterfragen die Logistik: Wie sollen Kinder mehrmals pro Woche zwischen Kitas und Schulen transportiert werden? Ohne gesicherte Mittel für Neubauten oder zusätzliches Personal bleibt das Konzept auf dem Papier nicht umsetzbar.

Expert:innen warnen, dass die Politik ohne Schließung dieser Lücken den Druck auf Schulen weiter erhöhen könnte – mit der Folge von Überlastung und Frustration beim Personal. Der aktuelle Ansatz des Landes verlagert zwar die Verantwortung auf die Kommunen, stellt aber kaum finanzielle Mittel für die Umsetzung bereit.

Ob das Ziel, die ABC-Kurse bis 2026 einzuführen, erreicht wird, hängt davon ab, ob tausende neue Kräfte eingestellt und zusätzliche Räume geschaffen werden. Solange diese Fragen ungelöst bleiben, droht das Programm eine theoretische Idee zu bleiben. Schulen und Kommunen stehen bereits jetzt unter wachsendem Druck – ohne klare Lösungen für die anstehenden finanziellen und logistischen Herausforderungen.

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