04 February 2026, 07:16

NRW setzt auf verpflichtende ABC-Kurse – doch Schulen warnen vor Überlastung

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.

NRW setzt auf verpflichtende ABC-Kurse – doch Schulen warnen vor Überlastung

Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten ein

Kinder, die in frühen Sprachtests durchfallen, müssen in Nordrhein-Westfalen künftig verpflichtende "ABC-Kurse" besuchen. Mit der Maßnahme will Bildungsministerin Dorothee Feller sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler mit ausreichenden Deutschkenntnissen die Schule beginnen – so wie von ihr versprochen. Doch Schulen und Fachleute warnen, der Plan könnte die ohnehin angespannte Personalsituation und die knappen Ressourcen weiter verschärfen.

Laut der neuen Regelung sollen Kinder mit Sprachschwierigkeiten vor dem Eintritt in die Grundschule zusätzliche Deutschförderung erhalten. Doch viele Schulen, etwa in Solingen, sind bereits am Limit: Lehrkräftemangel und fehlende Räumlichkeiten machen die Umsetzung schwierig. Teilweise finden Förderstunden bereits in Fluren statt, weil die Klassen überfüllt sind.

Kritiker bemängeln, das Vorhaben verlagere das Problem lediglich von den Kitas in die Schulen, ohne es zu lösen. Jens Merten, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Solingen, hält die Logistik für "unrealistisch" – schließlich müssten Kinder mehrmals pro Woche zu den Kursen gebracht werden. Sozialpädagoginnen und -pädagogen, die jetzt schon überlastet sind, sollen zusätzlich Sprachgruppen leiten und werden so von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt.

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Hinzu kommt der Fachkräftemangel: Viele Stellen für pädagogisches Personal bleiben unbesetzt, sodass Schulen ihre Angebote nicht ausbauen können. Experten weisen zudem darauf hin, dass jede Stunde in den ABC-Kursen die Zeit für den regulären Unterricht verkürzt. Gleichzeitig hat das Land keine zusätzlichen Mittel für Neubauten oder Planung bereitgestellt – die Kommunen müssen die Belastung allein stemmen.

Bildungsministerin Feller betont, kein Kind dürfe ohne ausreichende Sprachkenntnisse eingeschult werden. Doch da keine genauen Zahlen vorliegen, wie viele Kinder in diesem Jahr durch die Tests gefallen sind, bleibt unklar, wie stark die Maßnahmen die Schulen tatsächlich belasten werden.

Trotz der Warnungen vor logistischen und personellen Hürden werden die ABC-Kurse wie geplant umgesetzt. Die Schulen müssen nun die neue Vorgabe mit den bestehenden Engpässen vereinbaren, während die Kommunen die Herausforderung ohne zusätzliche Landesmittel bewältigen müssen. Ob das Programm gelingt, hängt davon ab, ob rechtzeitig genug Ressourcen mobilisiert werden können – oder ob Lehrkräfte und Einrichtungen weiter überlastet werden.