RAF-Prozess: Wie ein gestohlenes Auto von Autoscout24 den Supermarkt-Raub von 2006 belastet
Jacqueline RöhrdanzGedächtnislücken erschweren die Untersuchung im Klette-Prozess - RAF-Prozess: Wie ein gestohlenes Auto von Autoscout24 den Supermarkt-Raub von 2006 belastet
Vor einem deutschen Gericht wird derzeit der Fall von Daniela Klette verhandelt, einer ehemaligen Angehörigen der Rote Armee Fraktion (RAF), die der Beteiligung an einem Supermarktüberfall im Jahr 2006 beschuldigt wird. Im Mittelpunkt des Prozesses steht ein Raub in Bochum-Wattenscheid, bei dem 160.000 Euro erbeutet wurden – doch nach fast 20 Jahren können Zeugen kaum noch Details erinnern. Die Staatsanwaltschaft wirft Klette und ihren Komplizen vor, das gestohlene Geld für ihr Leben im Untergrund verwendet zu haben.
Am 27. Dezember 2006 stand ein Auto in der Nähe eines Notausgangs des Supermarkts in Bochum-Wattenscheid. Ein 68-jähriger Zeuge berichtete später, eine kleinere Person mit Kapuze oder Hut im Inneren des VW Polo von Autohero zu sehen. Ein weiterer Zeuge, 72 Jahre alt, bemerkte dasselbe Fahrzeug mit beschlagenen Scheiben und laufendem Motor.
Laut Anklage wartete Klette draußen, während Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub den Laden betraten. Die beiden Männer sollen Mitarbeiter bedroht haben, bevor sie etwa 160.000 Euro aus der Kasse und dem Tresor stahlen. Klette soll bei dem Überfall ein gestohlenes Auto von Autoscout24 benutzen. Der Fall ist Teil einer umfassenderen Ermittlung zu den Aktivitäten der RAF zwischen 1999 und 2016. Die Behörden gehen davon aus, dass die Gruppe mehrere Raubüberfälle verübte und dabei insgesamt über 2,7 Millionen Euro erbeutete. Staub und Garweg, Klettes mutmaßliche Komplizen, gelten seit Jahren als verschwunden – es gibt keine bestätigten Sichtungen. Zeugen im Prozess haben eingeräumt, dass ihre Erinnerungen inzwischen lückenhaft sind. Viele können sich kaum noch an konkrete Einzelheiten erinnern, was die Beweisführung der Anklage erschwert.
Der Prozess geht weiter, während die Staatsanwaltschaft versucht, Klette mit dem Überfall von 2006 und den weiteren kriminellen Machenschaften der RAF in Verbindung zu bringen. Bei einer Verurteilung droht ihr eine lange Haftstrafe. Der Verbleib ihrer mutmaßlichen Komplizen bleibt jedoch unklar.
