SPD in NRW verliert Stammwähler – kann Sören Link die Wende schaffen?
Jacqueline RöhrdanzSPD in NRW verliert Stammwähler – kann Sören Link die Wende schaffen?
Nordrhein-Westfalens politische Landschaft im Umbruch: SPD kämpft um ihre Stammwähler
Die politische Landschaft in Nordrhein-Westfalen verschiebt sich, während die SPD Mühe hat, ihre traditionelle Wählerbasis zu halten. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Unterstützung für die Partei auf 20 Prozent gesunken ist – ein Rückgang gegenüber den 26,7 Prozent bei der Landtagswahl 2022. Gleichzeitig legt die AfD auf 15 Prozent zu. Die Bemühungen, enttäuschte Wähler zu verstehen und zurückzugewinnen, nehmen dabei ungewöhnliche Formen an: von psychologischen Analysen bis hin zu persönlichen Erzählungen einer führenden Juristin.
Der Niedergang der SPD ist seit der letzten Landtagswahl deutlich geworden, als sie mit 26,7 Prozent hinter der CDU (35,7 Prozent) landete. Aktuell liegt die Union in den Umfragen stabil bei etwa 35 Prozent, während die SPD weiter an Unterstützung verliert. Die AfD hingegen hat sich von etwa 7 bis 10 auf 15 Prozent gesteigert – ein Anstieg, der mit wirtschaftlichen Sorgen wie den geplanten 11.000 Stellenstreichungen bei ThyssenKrupp zusammenhängt, aber auch mit sozialen Spannungen: So stieg die Zahl rechtsextremer Straftaten um 60 Prozent, und antisemitische Vorfälle nehmen zu. Zudem trägt die umstrittene Krankenhausreform zur öffentlichen Verärgerung bei.
Als Reaktion ließ die CDU eine Psychologin die Emotionen analysieren, die AfD-Anhänger antreiben. Die SPD wiederum startete eine Online-Plattform, auf der ehemalige Stammwähler ihre Beschwerden äußern können. Ein weiterer Versuch, die Kluft zu überbrücken, kam von Andreas Voßkuhle, dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung schuf er mit "Torsten", einem fiktiven Ex-Bergmann und Fußballfan, eine Figur, um zu ergründen, warum traditionelle SPD-Wähler aus der Arbeiterschicht nun zur AfD tendieren. Die Reaktionen fielen gespalten aus: Manche lobten den Text als einfühlsamen Versuch des Perspektivwechsels, andere kritisierten ihn als oberflächliches Klischee.
Mit Blick auf die Landtagswahl 2027 bereitet die SPD vor, Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link im Januar als Spitzenkandidaten zu nominieren. Seine mögliche Kandidatur würde ihn gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) stellen. Die Partei hofft, mit diesem Schritt und einer gezielten Kampagne positiver Botschaften wieder Schwung zu gewinnen.
Die Bemühungen der SPD, den Kontakt zu den Wählern zurückzugewinnen, stehen im Kontext des AfD-Aufschwungs, der eine breitere Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen widerspiegelt. Während die schwarz-grüne Koalition eine Zustimmung von 48 Prozent hält, besteht die Herausforderung für die SPD darin, ihren Abwärtstrend in einem Bundesland umzukehren, in dem politische Bindungen zunehmend bröckeln. Die nächsten Schritte der Partei – einschließlich Links möglicher Kandidatur – werden in den kommenden Monaten genau beobachtet werden.
