Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Misshandlung
Rolf-Peter ScheelTausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Misshandlung
Tausende sind in Köln und Bonn auf die Straße gegangen, um gegen sexualisierte und digitale Gewalt zu protestieren. Die Demonstrationen folgten einem Spiegel-Bericht über Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen. Die Forderungen nach strengeren gesetzlichen Schutzmaßnahmen und mehr Verantwortungsbewusstsein bei Männern wurden lauter, während die Protestierenden Kälte und Regen trotzten, um Veränderung einzufordern.
Am Samstag zogen in Köln über 5.000 Menschen durch die Straßen, hielten Schilder hoch und skandierten gegen sexualisierte Gewalt. Ein Plakat zeigte die Aufschrift "Girls just wanna be safe" – eine Anspielung auf den Hit von Cindy Lauper – und unterstrich damit die grundlegende Forderung nach Sicherheit. Trotz nasskaltem Wetter blieb die Beteiligung hoch.
Am folgenden Tag versammelten sich in Bonn mehr als 500 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus. Die Kundgebung wurde von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt. Jede Rednerin und jeder Redner betonte, wie wichtig es sei, dass Männer sexistisches Verhalten hinterfragen und aktiv Verantwortung übernehmen.
Bei den Protesten forderten Politikerinnen der Frauen-Union der CDU bessere Schutzmechanismen für Frauen. Ihre Appelle stießen jedoch bei führenden Parteivertretern auf wenig sichtbare Unterstützung. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, dass er strengere Gesetze gegen geschlechtsspezifische Gewalt nicht unterstütze.
Die Demonstrationen folgten dem Spiegel-Bericht über Fernandes' Vorwürfe digitaler Misshandlung durch Ulmen. Zwar hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe ein Stalking-Verfahren gegen ihn wiederaufgenommen, doch die weiteren Auswirkungen der Ermittlungen bleiben unklar. Prominente wie Ricarda Lang zeigten Solidarität, und Unternehmen wie die Shop Apotheke setzten Werbekampagnen mit Ulmen vorerst aus. Doch gesetzliche Reformen blieben trotz der medialen Aufmerksamkeit und der Straßenproteste bisher aus.
Die Proteste in Köln und Bonn haben den Druck auf die Politik erhöht, Gewalt gegen Frauen konsequenter zu bekämpfen. Organisatorinnen, Organisatoren und Teilnehmende machten deutlich: Gegen digitalen Missbrauch und Frauenfeindlichkeit braucht es stärkere gesetzliche Maßnahmen und einen gesellschaftlichen Wandel. Bisher bleibt die Reaktion der politischen Führung jedoch begrenzt – trotz der wachsenden öffentlichen Forderungen.






