Von Kiel an Bord der Padua: Wie ein Junge dem Meer folgte
Die 1926 gebaute Padua, einst ein stolzer Viermastbark der Hamburger Flying P-Liner, fährt noch heute als russisches Schulschiff Krusenstern über die Meere. Als letztes erhaltenes Schiff seiner Art transportierte es einst Fracht wie chilenischen Salpeter über die Ozeane, bevor Motoren die Schifffahrt revolutionierten. Jahrzehnte später sollte seine Geschichte mit dem Leben von Michael Krieg verwoben werden, einem Kieler Jungen, der zwischen dem Lärm der Werften und dem Ruf des Meeres aufwuchs.
Die Padua spielte auch eine Hauptrolle im Film Große Freiheit Nr. 7 von 1944, in dem Hans Albers als Seemann Hannes Kröger die Sehnsucht nach der weiten See besang. Für Krieg wurde das Schiff mehr als nur ein Stück Geschichte – es verkörperte Flucht und Abenteuer.
Michael Krieg verbrachte seine ersten dreizehn Jahre in der Nähe der Howaldtswerke in Kiel, wo täglich Tanker, Frachter und Kriegsschiffe zu Wasser gelassen wurden und den Fjord füllten. Wenn die Gorch Fock der deutschen Marine vor Anker ging, schlug sein Herz schneller. Selbst Familienausflüge waren vom Rhythmus des Meeres geprägt, während im Hintergrund die Stimme von Hans Albers – der "blonde Hans" – Seemannslieder schmetterte.
Seine Faszination für Schiffe saß tief. In einem Kirchenchor, dem er beitrat, sang ein Bassist, der auch beim Lotsen-Gesangverein, einem Pilotenchor, mitwirkte. Bei Treffen mit Freunden auf Hochseeschiffen war Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay sein Lieblingslied. Doch es war eine unerfüllte Liebe zu einer Frau namens La Paloma, die ihn schließlich zum Aufbruch trieb. Wie aus einem Drehbuch unterschrieb er auf der Padua – Hamburgs letztem großen Segelschiff – und tauschte Herzschmerz gegen salzige Meeresluft und weiten Horizont.
Die Padua selbst war für Geschwindigkeit und Ausdauer gebaut worden, ein stählernes Arbeitspferd für F. Laeisz' globalen Handel. Bevor motorisierte Schiffe die Routen beherrschten, überquerte sie den Atlantik mit Getreide und Salpeter und bewies, dass selbst in den 1930er-Jahren Windjammer noch mit der Konkurrenz mithalten konnten. Als Krieg an Bord ging, war das Schiff längst zur Legende geworden – sowohl auf der Leinwand als auch in den Annalen der Seefahrtsgeschichte.
Heute fährt die Padua unter neuem Namen und neuer Flagge, doch ihr Erbe lebt in den Träumen jener weiter, die von fernen Häfen träumten. Für Krieg bot sie einen Weg fort von Kiels Küsten hin zu dem Leben, das er sich immer vorgestellt hatte. Die Geschichten der Padua – von ihren Tagen als Frachtsegler bis zu ihrem Ruhm auf der Leinwand – hallen nach in den Stimmen jener, die wie Hannes Kröger und Krieg selbst den Ruf des Meeres hörten und ihm folgten.






