Warum wurde Solingens Vize-Bürgermeister Jan Welzel erst jetzt suspendiert?
Rolf-Peter ScheelWarum wurde Solingens Vize-Bürgermeister Jan Welzel erst jetzt suspendiert?
Die Bezirksregierung Düsseldorf hat den stellvertretenden Bürgermeister Jan Welzel vorläufig von seinen Pflichten enthoben. Der Schritt folgt langjährigen Vorwürfen wegen Fehlverhaltens während seiner Amtszeit unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Nun mehren sich die Fragen, warum erst nach Kurzbachs Ausscheiden aus dem Amt gehandelt wurde.
Die Suspendierung geht auf eine Anzeige zurück, die noch während Kurzbachs Amtszeit (2014–2020) eingereicht wurde. Darin wird Welzel vorgeworfen, bei der Vergabe von Aufträgen und Bauentscheidungen unzulässig Einfluss genommen zu haben, um Günstlinge und verbundene Unternehmen zu begünstigen. Befürworter der Maßnahme argumentieren, die Beweislage sei bereits früher ausreichend gewesen, um zu handeln.
Das Bürgerbündnis für Solingen (BfS) zeigt sich besorgt über den Zeitpunkt der Entscheidung. Die Organisation vermutet, dass heikle Schritte möglicherweise bewusst verschleppt wurden, solange Kurzbach noch im Amt war oder sich im Wahlkampf befand. Die Gruppe fordert nun den Ausschuss für Transparenz und Bürgerbeteiligung auf, zu untersuchen, warum Wenzel erst so spät suspendiert wurde. Zentrale Fragen bleiben unbeantwortet: Welche Informationen lagen der Behörde vor und seit wann? Und warum wurde nicht früher eingegriffen? Das BfS verlangt volle Aufklärung – unabhängig davon, wer zum jeweiligen Zeitpunkt das Amt innehatte. Die Suspendierung hat zudem die Debatte über Kurzbachs Führung neu entfacht. Kritiker werfen ihm vor, moralisch mitverantwortlich zu sein, da er das Problem während seiner Amtszeit nicht angegangen habe. Das BfS besteht darauf, dass die Öffentlichkeit klare und vollständige Antworten erhält – ohne politische Einmischung.
Welzels vorläufige Enthaltung ist ein seltener und schwerwiegender Schritt in der Kommunalpolitik. Das BfS drängt weiterhin auf eine lückenlose Aufklärung der Verzögerungen. Die Behörden müssen nun darlegen, wie lange ihnen die Vorwürfe bekannt waren und warum erst nach Kurzbachs Rücktritt gehandelt wurde.
