Wie die 80er-Jahre Patchworkfamilien im Fernsehen revolutionierten
Stieffamilien sind seit langem ein faszinierendes Thema in Film und Fernsehen – mal humorvoll, mal bedrohlich inszeniert. In Hollywood werden Väter und Stiefväter oft als Schurken dargestellt, während deutsche Sitcoms der 1980er-Jahre das Thema lockerer angegangen sind. Eine dieser Serien, Ich heirate eine Familie, wurde mit ihrer Darstellung von Patchworkfamilien zum Meilenstein des westdeutschen Fernsehens.
Die Sitcom Ich heirate eine Familie feierte in den 1980er-Jahren Premiere und wird bis heute in Wiederholungen gezeigt. Im Mittelpunkt stand ein gutbürgerliches Ehepaar, wobei ein Großteil des Humors aus der Überraschung des Mannes rührte, als er erfuhr, dass seine neue Frau drei Kinder mitbrachte. Herbert Bötticher spielte den Stiefvater, der eher als komischer Außenseiter denn als bedrohliche Figur inszeniert wurde – ein tollpatschiger fünfter Rad am Wagen statt ein finsterer Patriarch.
Noch vor Lindenstraße war dies die erste westdeutsche Sitcom, die sich mit den Dynamiken von Patchworkfamilien auseinandersetzte. Während der Ton hier leicht war, werden Stiefväter in anderen Medien oft weit weniger freundlich dargestellt. In Hollywood haben Schauspieler wie Jack Nicholson in Shining oder Robert Mitchum in Die Nacht des Jägers das Bild des unheimlichen Vaterfigurs geprägt. Auch Stiefmütter werden in Märchen, religiösen Überlieferungen und selbst in der Pornografie häufig negativ gezeichnet. Trotz dieser Klischees gibt es auch positive Darstellungen: In den USA wird der National Stepfather’s Day am dritten Freitag im September begangen, der National Stepfamily Day am 16. September. Beim ZDF, dem Sender hinter Ich heirate eine Familie, gibt es zwar kein Pendant – doch die Serie bleibt als kultureller Bezugspunkt präsent.
Die Darstellung von Stiefvätern reicht je nach Medium von komisch bis böse. Während Ich heirate eine Familie das Thema mit Leichtigkeit behandelte, verstärken andere Filme und Traditionen düstere Vorurteile. Diese gegensätzlichen Porträts spiegeln die unterschiedlichen Haltungen wider, die Patchworkfamilien in der Popkultur erfahren.
