Wissenschaftler fliehen aus den USA – und Deutschland profitiert davon
Jacqueline RöhrdanzWissenschaftler fliehen aus den USA – und Deutschland profitiert davon
Deutsche Akademische Austauschprogramme erleben deutliche Verschiebungen bei Interesse und Förderung
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) musste seine Aktivitäten in Russland einstellen, nachdem Moskau die Organisation als "unerwünschte Einrichtung" eingestuft hatte. Gleichzeitig wenden sich immer mehr US-Forschende Deutschland zu, da Haushaltskürzungen und politische Veränderungen im Heimatland die Möglichkeiten dort einschränken.
Die Entscheidung des russischen Justizministeriums, den DAAD als "unerwünscht" zu deklarieren, führt zur Schließung des Moskauer Büros sowie des German House for Research and Innovation. Russische Bürger, die weiterhin mit der Organisation zusammenarbeiten, müssen nun mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen.
In den USA haben drastische Kürzungen bei der Forschungsförderung – insbesondere in der Klimawissenschaft – viele Wissenschaftler:innen dazu veranlasst, nach Alternativen im Ausland zu suchen. Seit der Amtszeit von Donald Trump sanken die Bundesmittel für Klimaforschung an Spitzenuniversitäten wie Harvard, Stanford und Princeton bis 2020 um 15 bis 20 Prozent. Zwar milderten private Spenden und internationale Zuschüsse die Verluste ab, doch die politische Unsicherheit treibt Forschende in stabilere Gefilde.
Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft verzeichnen eine steigende Nachfrage von US-Wissenschaftler:innen. Die Bewerbungen für DAAD-Stipendien für Masterstudiengänge in Deutschland haben sich mehr als verdoppelt – ein deutliches Zeichen für das wachsende Interesse. Gleichzeitig zeigt sich bei deutschen Studierenden eine sinkende Begeisterung für einen Aufenthalt in den USA: Die Anfragen von Doktorand:innen gingen um etwa 10 Prozent zurück.
DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee betonte die aktuelle Dynamik mit den Worten: "Im Moment gibt es sehr viel Bewegung." Die Entwicklungen spiegeln eine grundlegendere Neuausrichtung der globalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit wider.
Die Schließung der DAAD-Niederlassung in Russland bedeutet einen Rückschlag für den akademischen Austausch zwischen beiden Ländern. Für US-Forschende bietet Deutschlands stabile Förderung und offene Möglichkeiten eine Alternative, während die heimische Unterstützung schwindet. Die Verschiebungen deuten auf langfristige Veränderungen hin – sowohl bei den Standorten als auch bei der Gestaltung internationaler Forschungskooperationen.
