Wut und Ängste: Ratingens Bürger wehren sich gegen neue Flüchtlingsunterkunft
Iwona RoggeWut und Ängste: Ratingens Bürger wehren sich gegen neue Flüchtlingsunterkunft
Geplante Flüchtlingsunterkunft in Ratingen stößt auf heftigen Widerstand der Anwohner
Die Stadt Ratingen hat die Wiedereröffnung einer Flüchtlingsunterkunft erst zehn Tage vor einer Informationsveranstaltung bekannt gegeben – für die Nachbarn kam die Ankündigung viel zu kurz. Rund 100 Bürger nahmen an der Veranstaltung teil, um ihre Bedenken hinsichtlich Sicherheit und lokaler Versorgungsleistungen zu äußern.
Die Unterkunft im Gewerbegebiet an der Gothaer Straße soll in Containerbauweise bis zu 60 alleinstehende Männer aufnehmen. Bei allen handelt es sich um anerkannte Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien und Afghanistan, im Alter zwischen 20 und 63 Jahren. Die Stadt hat bewusst darauf verzichtet, Familien mit Kindern dort unterzubringen, um die ohnehin belastete Infrastruktur nicht weiter zu strapazieren.
Bei der Veranstaltung brachten Anwohner Sorgen zur Sprache, etwa zur Sicherheit von Frauen, den vermuteten sexuellen Bedürfnissen der alleinstehenden Männer sowie möglichen psychischen Problemen unter den Geflüchteten. Teile von Ratingen-West gelten bereits als sozialer Brennpunkt – bedingt durch hohe Zuwanderung und die Überlastung öffentlicher Einrichtungen. Martin Sahler, Leiter für Integration und Migration beim Caritasverband im Kreis Mettmann, äußerte den Verdacht, dass die rechtspopulistische AfD Anwohner gezielt zur Teilnahme an der Veranstaltung mobilisiert habe. Gleichzeitig betonte er, dass die Hälfte der Flüchtlinge bereits einer Arbeit nachgehe, während weitere 30 Prozent an Integrationsmaßnahmen teilnähmen.
Ziel der neuen Unterkunft ist es, die bestehenden Flüchtlingseinrichtungen in der Region zu entlasten. Trotz der massiven Kritik treibt die Stadt das Vorhaben voran. Die Einrichtung wird künftig alleinstehende Männer im Rahmen der laufenden Bemühungen um die Unterbringung von Geflüchteten aufnehmen.
