Zwischen Quotenhits und Skandalen: Wie das deutsche Fernsehen 2025 polarisiert
Iwona RoggeZwischen Quotenhits und Skandalen: Wie das deutsche Fernsehen 2025 polarisiert
Deutsches Fernsehen zwischen Höhen und Tiefen
In den vergangenen Monaten erlebte das deutsche Fernsehen eine Mischung aus Erfolgen und Rückschlägen. Von juristischen Auseinandersetzungen um Rentenansprüche bis hin zu Rekordquoten beim Frauenfußball prägten Kontroversen und Triumphe gleichermaßen die Branche. Währenddessen sorgten neue Formate und Adaptionen für geteilte Reaktionen bei Publikum und Kritik.
Ein Gerichtsurteil sprach der ehemaligen RBB-Managerin Claudia Nothelle eine lebenslange Monatsrente von 8.400 Euro zu – zusätzlich zu ihrem aktuellen Professorengehalt. Nothelle war mit 53 Jahren in Frühpension gegangen. Die Entscheidung fiel mitten in die anhaltende Debatte über die Altersversorgung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft entwickelte sich zum Quotenrenner: Im Schnitt verfolgten zehn Millionen Zuschauer jedes Spiel der EM 2024. Der Boom stand in krassem Gegensatz zu sinkenden Einschaltquoten anderer Sendungen.
RTLs Dauerbrenner Das Supertalent beendete die letzte Staffel mit nur noch 1,38 Millionen Zuschauern, während die Kandidaten immer absurdere Auftritte boten. Der Niedergang der Show spiegelte sich auch in der Absetzung von ProSieben-Seifenoper Cooking Academy wider, die nach wochenlangen schwachen Quoten eingestellt wurde.
Der ZDF startete mit The Palace ein neues Drama, während die ZDF-Produktion Oktoberfest 1905 trotz starker Zuschauerzahlen wegen historischer Ungenauigkeiten Kritik einstecken musste. Der Sender adaptierte zudem Oskar Maria Grafs Roman Unruhe um einen Friedfertigen unter dem Titel Sturm am Horizont – ein zweiteiliges Drama über den Aufstieg des Faschismus im Bayern der 1930er-Jahre.
Die ARD wagte mit der experimentellen Serie Mozart/Mozart einen Bruch mit Sehgewohnheiten, scheiterte jedoch an schwacher Schauspielkunst, holprigen Dialogen und unüberzeugender Musik. Das Programm bot zudem Dokumentationen über Sportlegenden, darunter den polarisierenden Jérôme Boateng.
ProSieben krönte in der Reality-Show Deutschlands dümmster Promi die Schauspielerin Alessia Herren zur Siegerin, knapp vor Gloria-Sophie Burkandt. Der Sender strahlte zudem das Heidifest aus, ein Oktoberfest-Event mit Heidi Klum als Gastgeberin in Münchens Hofbräuhaus.
Abseits des Unterhaltungsprogramms löste Israels Teilnahme beim Eurovision Song Contest Boykottdrohungen mehrerer Länder aus. Der deutsche Beitrag, das österreichische Duo Abor & Tynna, belegte nach einem vom NDR und Stefan Raab geleiteten Auswahlverfahren Platz 15.
Am 4. Dezember 2025 sendete das ZDF live aus Offenburg die Weihnachtsgala Die große Weihnachtsshow mit Giovanni Zarrella als Moderator. Stars wie Eros Ramazzotti und Beatrice Egli traten auf, um Spenden für Misereor und Brot für die Welt zu sammeln.
Das ARD-Krimi Mord auf dem Inka-Trail erhielt Lob für Nina Gummichs zurückhaltende Darstellung als Ermittlerin. Gleichzeitig sah sich Journalistin Julia Ruhs nach ihrer Klar-Premiere zum Thema Migration massiver Kritik ausgesetzt, woraufhin der NDR die Zusammenarbeit beendete – ihr Posten beim BR blieb jedoch erhalten.
Trotz bescheidener Quoten gewann die Quizshow Ein verdammt gutes Quiz (mit riesigem Geldpreis) den Deutschen Fernsehpreis – ein weiteres Beispiel für die unberechenbaren Reaktionen der Branche.
Das vergangene Fernsehjahr in Deutschland war geprägt von Rechtsstreitigkeiten, wandelnden Zuschauerpräferenzen und kreativen Wagnissen. Während einige Formate triumphierten, kämpften andere ums Überleben – ein Spiegel des größeren Medienwandels. Die Mischung aus Skandalen, Absetzungen und unerwarteten Erfolgen zeigt: Die Branche befindet sich im Umbruch.
