Apotheker kämpfen gegen Reformpläne: "Die Krise ist tief – jetzt geht es ums Überleben"
Rolf-Peter ScheelApotheker kämpfen gegen Reformpläne: "Die Krise ist tief – jetzt geht es ums Überleben"
Deutsche Apotheker fordern dringende Änderungen am geplanten Apothekenreformgesetz. Der Entwurf hat in der Branche trotz anfänglicher Hoffnungen auf bessere Vergütung – wie im Koalitionsvertrag angekündigt – massive Bedenken ausgelöst.
Auf dem Deutschen Apothekertag (DAT) stellte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die Kernpunkte der Reform vor, die seitdem auf Kritik stoßen. Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), warnte, die Apotheken befänden sich in einer tiefen Krise, und forderte intensive Lobbyarbeit, um schwerwiegende Mängel in den Plänen zu beheben.
Der ABDA-Vorstand hat fünf dringende Überarbeitungsfelder benannt. Rund 30 bis 35 Punkte im Gesetzentwurf bedürfen demnach Änderungen, darunter eine Erhöhung der Festbetragsvergütung für Apotheken. Alternativ werden Finanzierungsmodelle vorgeschlagen, um den Apotheken Mehreinnahmen von 800 bis 900 Millionen Euro zu sichern. Eine weitere zentrale Forderung ist die Abschaffung des Barzahlungsrabatt-Verbots – eine Maßnahme, die als einfache und schnelle Lösung gilt.
Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR), rief die Apotheker auf, sich jetzt aktiv in die politischen Diskussionen einzubringen, um in letzter Minute Nachbesserungen durchzusetzen. Die aktuelle Situation bezeichnete er als entscheidenden Scheideweg für das deutsche Gesundheitswesen: Die Gesellschaft verändere sich, während die Versorgung mit den wachsenden Anforderungen kaum Schritt halte. Hoffmann betonte zudem, das Modell der inhabergeführten Apotheken müsse bewahrt werden – bei gleichzeitig steigenden Patientenzahlen und sinkender Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.
Öffentliche Proteste wurden auf den 17. Dezember verschoben, um weiteren Dialog zu ermöglichen. An diesem Tag soll das Kabinett den Gesetzentwurf beraten; die erste Lesung im Bundestag ist bis Ende Januar geplant. Statt sofortiger Proteste setzen die Apotheker derzeit auf Verhandlungen, um die Reform mitzugestalten. Der Zeitplan ist eng: In den kommenden Wochen stehen entscheidende Diskussionen und Weichenstellungen an. Die Änderungen am Entwurf könnten über die Zukunft und Stabilität des deutschen Apothekenwesens entscheiden.
