Deutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Rolf-Peter ScheelDeutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität – trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Unternehmen messen digitaler Souveränität großen Wert bei, doch oft fehlen klare Strategien zu deren Umsetzung. Die von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute durchgeführte Untersuchung offenbart eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Sicherung digitaler Unabhängigkeit.
Der "Digitale Souveränitätsindex" (DSI) befragte rund 500 Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden sowie öffentliche Einrichtungen. Die Ergebnisse zeigen, dass 92 Prozent der Befragten digitale Souveränität als wichtig erachten. Doch nur 21 Prozent verfügen über eine dedizierte Strategie.
Im Schnitt streben die Unternehmen ein Souveränitätsniveau von 77,8 Prozent an. Der aktuelle Reifegrad in der deutschen Wirtschaft liegt jedoch bei nur 65,8 Prozent. Diese Diskrepanz ist unter anderem auf die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern zurückzuführen – 60 Prozent der Firmen sind bei kritischen Technologien wie Cloud-Computing, Software und KI auf diese angewiesen.
Die finanzielle Bereitschaft scheint groß: 80 Prozent der Unternehmen wären bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr. Dennoch hat erst ein Viertel die Verantwortung für digitale Souveränität in der Geschäftsführung verankert. Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Unternehmen deren strategische Bedeutung unterschätzen.
Die Studie betont, dass digitale Souveränität nicht Isolation bedeutet, sondern Selbstbestimmung, Partnerschaften und Resilienz im Technologieeinsatz.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine klare Kluft zwischen Erkenntnis und Umsetzung. Zwar erkennen die meisten Unternehmen den Bedarf an digitaler Souveränität, doch konkrete Pläne oder eine verantwortliche Führungsebene fehlen häufig. Die Investitionsbereitschaft deutet auf Potenzial hin – doch bisher bleibt die Umsetzung begrenzt.






