Warum immer mehr Menschen der Demokratie misstrauen – und was das für die AfD bedeutet
Iwona RoggeWarum immer mehr Menschen der Demokratie misstrauen – und was das für die AfD bedeutet
Warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie wächst: Neue Erkenntnisse des Soziologen Aladin El-Mafaalani
In seinem neuen Buch untersucht der Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum das Vertrauen in die Demokratie schwindet. Seine Forschung zeigt, wie sich Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen ausbreitet – insbesondere unter Anhängern rechtspopulistischer Bewegungen. Die Ergebnisse liefern Erklärungsansätze für den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump oder der deutschen Rechtspartei AfD.
El-Mafaalani argumentiert in "Gemeinschaften des Misstrauens", dass Menschen, die der Demokratie misstrauen, sich oft mit Gleichgesinnten verbünden. Diese Gruppen, gestärkt durch digitale Medien, bilden enge Netzwerke, die ihr Misstrauen weiter verstärken. Die Studie offenbart zudem, dass misstrauische Personen tendenziell anderen Misstrauischen und demokratiefeindlichen Parteien vertrauen.
Die AfD wurde 2013 als EU-skeptische Partei gegründet und erreichte bei der Bundestagswahl desselben Jahres 4,7 Prozent. Durch interne Konflikte und die Flüchtlingskrise 2015 radikalisierte sie sich weiter, rückte die Migrationspolitik in den Fokus und verlor zwar einige Mitglieder, wuchs aber stetig – 2017 zog sie schließlich in den Bundestag ein.
El-Mafaalani warnt, dass die Bloßstellung rechtspopulistischer Parteien wie der AfD als inkompetent kaum dazu beiträgt, das Vertrauen in die Demokratie bei ihren Anhängern wiederherzustellen. Stattdessen schlägt er vor, die Ursachen des Misstrauens zu verstehen, um wirksamere Strategien gegen den Rechtspopulismus zu entwickeln. Seine Analyse zeigt, wie wiederholte Versagensfälle populistischer Führer die Enttäuschung über demokratische Systeme vertiefen.
Das Buch bietet eine detaillierte Untersuchung, wie sich Misstrauen in bestimmten Gruppen verbreitet und verfestigt. Es kommt zu dem Schluss, dass es nicht ausreicht, populistische Bewegungen zu diskreditieren. Vielmehr könnte ein tieferes Verständnis dafür, warum Menschen das Vertrauen in Institutionen verlieren, helfen, das Vertrauen in die Demokratie zurückzugewinnen.






