Elektronische Patientenakte: Pflichtstart mit Pannen und Vertrauensverlust
Iwona RoggeElektronische Patientenakte: Pflichtstart mit Pannen und Vertrauensverlust
Elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland nun für alle gesetzlich Versicherten Pflicht
Seit Januar 2025 ist die elektronische Patientenakte (ePA) für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung verbindlich. Doch während der offizielle Start bereits im Januar erfolgte, sorgte die gestaffelte Einführung für Verwirrung – viele Patientinnen und Patienten hatten mit einem sofortigen Zugang gerechnet. Die anfänglichen Versprechungen zu Sicherheit und Funktionalität stehen inzwischen auf dem Prüfstand.
Die Einführung der ePA begann am 15. Januar 2025 in zwei Modellregionen – Franken und Hamburg. Erst am 30. April 2025 folgte die bundesweite Ausrollung, entgegen früherer Ankündigungen eines einheitlichen Starts. Diese schrittweise Umsetzung führte zu Frustration, da viele davon ausgingen, das System stehe von Anfang an flächendeckend zur Verfügung.
Von Beginn an kämpfte die ePA mit technischen Problemen. Sicherheitslücken, Systemausfälle und unvollständige Softwaremodule erschwerten die frühe Nutzung. Zwar hatten Behörden zunächst "kein Restrisiko" für größere Cyberangriffe betont, doch bald traten Schwachstellen zutage, die das Vertrauen untergruben. Ein weiterer Rückschlag war das Update auf ePA 3.0, das die feingranulare Zugriffssteuerung abschaffte. Patienten können seitdem nicht mehr gezielt bestimmen, welche Ärzte oder Fachrichtungen Zugriff auf bestimmte Dokumente erhalten – ihre Kontrolle über sensible Daten wurde damit eingeschränkt. Unklare Kommunikation zu diesen Änderungen ließ viele im Ungewissen, wie ihre Daten geteilt werden. Auch bei der Aufklärung gab es Defizite: Vage Erklärungen zu Datenzugriffen und Nutzerrechten führten zu weitverbreiteten Missverständnissen. Als Probleme auftraten, verschärften abwiegelnde Reaktionen der Verantwortlichen das Misstrauen – manche Patienten hatten den Eindruck, dass kritische Details verschwiegen würden.
Ein Jahr nach dem Start ist die technische Infrastruktur der ePA nun etabliert. Doch ihre Zukunft hängt davon ab, ob Risiken, Grenzen und laufende Verbesserungen transparenter kommuniziert werden. Ohne mehr Offenheit und die Einbindung der Patienten bleibt die langfristige Akzeptanz des Systems ungewiss.
