Elite-Treffen in Witten: Wie Deutschlands Superreiche ihre Macht zementieren
Rolf-Peter ScheelElite-Treffen in Witten: Wie Deutschlands Superreiche ihre Macht zementieren
Deutschlands reichste Unternehmerfamilien trafen sich diese Woche zur jährlichen Familienunternehmer-Tagung an der privaten Universität Witten/Herdecke. Beworben als Forum für Innovation und verantwortungsvolles Unternehmertum, dient die Veranstaltung vor allem als exklusives Netzwerk für FirmenErben und einflussreiche Lobbygruppen. Die Teilnahme ist ausschließlich Mitgliedern von unternehmerischen Familien vorbehalten – der Eintritt kostet rund 2.000 Euro pro Person.
Die Tagung ist Teil eines größeren Geflechts aus Lobbyorganisationen, wirtschaftsnaher Forschung und politischer Einflussnahme. Im Mittelpunkt stehen der Schutz von Familienvermögen vor Steuern sowie die langfristige Kontrolle über Großkonzerne. Fast 80 Prozent der teilnehmenden Unternehmen erzielen Jahresumsätze von über 50 Millionen Euro, einige zählen zu milliardenschweren Konzernen.
Trotz des Selbstbilds als Stimme des deutschen Mittelstands richtet sich die Veranstaltung vor allem an die wirtschaftliche Elite. Für die Universität ist die Kooperation finanziell entscheidend, doch Kritiker verweisen auf Interessenkonflikte durch personelle Verflechtungen mit Wirtschaftsnetzwerken. Den Höhepunkt bildet ein Galadinner, bei dem Studierende – zum Mindestlohn beschäftigt – die Gäste bedienen.
Die politischen Ziele der Tagung decken sich weitgehend mit denen der Stiftung Familienunternehmen. Diskutiert werden die Bewahrung dynastischer Unternehmensführung, steuerliche Privilegien und die Stärkung des Narrativs, Familienunternehmer seien das Rückgrat der Wirtschaft. Untersuchungen zeigen jedoch, dass viele Teilnehmer Großkonzerne vertreten – und keine kleinen oder mittelständischen Betriebe.
Der Familienunternehmer-Kongress festigt die Verbindungen zwischen vermögenden Dynastien, politischen Entscheidungsträgern und akademischen Einrichtungen. Das geschlossene Format und die hohen Teilnahmegebühren sichern Exklusivität, während die Abhängigkeit der Universität von der Veranstaltung Fragen nach wissenschaftlicher Unabhängigkeit aufwirft. Die Ergebnisse solcher Treffen prägen oft Politiken, die Großkonzernen nützen – getarnt als Förderung allgemeiner Wirtschaftsinteressen.






