08 February 2026, 05:14

Salzgitter sprintet voran – Thyssenkrupp kämpft um die grüne Stahlwende

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Fabrikszene in der Cadillac Steel Works, das Menschen bei der Bedienung einer großen Maschine zeigt.

Salzgitter sprintet voran – Thyssenkrupp kämpft um die grüne Stahlwende

Deutschlands zwei größte Stahlproduzenten gehen bei der Dekarbonisierung völlig unterschiedliche Wege. Während Salzgitter mit seinem ehrgeizigen SALCOS-Projekt (SAlzgitter Low CO₂-Steelmaking) eines der konkretesten Vorhaben für grüne Stahlproduktion in Europa vorantreibt, hat Thyssenkrupp einen schwierigeren Weg vor sich – gestützt auf seine hochmoderne Elektrolyse-Tochter Nucera, aber belastet von finanziellen und strukturellen Hürden.

Salzgitter hat bereits mit der Umstellung seines Werks in Salzgitter im Rahmen des SALCOS-Programms begonnen. Das Projekt setzt auf Wasserstoff und erneuerbare Energien, um die Treibhausgasemissionen um bis zu 75 Prozent zu senken. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, und mit EU-genehmigten staatlichen Fördermitteln wird der Wechsel zu Direktreduktionsöfen und Lichtbogentechnologie gesichert.

Die jüngste Übernahme von HKM hat die Lieferketten des Unternehmens zusätzlich stabilisiert und das Vertrauen der Investoren gestärkt. Dank der Strategie von Vorstandschef Gunnar Groebler notiert die Salzgitter-Aktie nahe an Rekordhochs – auch wenn Analysten vor Risiken durch konjunkturelle Abschwünge in der zyklischen Stahlbranche warnen.

Thyssenkrupp hingegen ringt noch um seinen Kurs. Zwar verfügt der Konzern mit Nucera, einem weltweit führenden Anbieter von Elektrolyse-Technologie für grünen Wasserstoff, über einen entscheidenden Trumpf – doch bei der Umsetzung hinkt das Unternehmen hinterher. Zwar gibt es Kooperationen wie die Vereinbarung mit Volkswagen über CO₂-armen Stahl, doch konkrete Maßnahmen sind weniger weit fortgeschritten als bei Salzgitter. Stattdessen steht die finanzielle Sanierung im Vordergrund, etwa durch den "Sanierungstarifvertrag 2030", der die Kosten senken soll.

Die Aktie bleibt volatil: Die Entlastung durch den Verkauf der HKM-Beteiligung wird durch Sorgen über mögliche Verluste in diesem Jahr überschattet. Anders als Salzgitter, das auf eine fokussierte Integration setzt, zerlegt Thyssenkrupp seinen Konzern und verkauft nicht zum Kerngeschäft gehörende Sparten, um die Stahlwende zu finanzieren. Doch der Weg zur klimaneutralen Produktion bis 2045 wirkt weit weniger gesichert.

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Salzgitters klare Bauzeitpläne und gesicherte Finanzierung verschaffen dem Unternehmen einen Vorsprung im Wettlauf um grünen Stahl. Thyssenkrupps Abhängigkeit von Nuceras Technologie und die anhaltende Restrukturierung bedeuten, dass sein Fortschritt davon abhängt, finanzielle und operative Herausforderungen zu meistern.

Für Investoren stellt sich nun die Frage: Setzen sie auf Salzgitters Widerstandsfähigkeit in einem fokussierten, wenn auch zyklischen Markt – oder auf Thyssenkrupps Diversifizierung als Puffer gegen branchenspezifische Schocks?