09 January 2026, 05:08

Streit um Deutschlands Glasfaser-Zukunft: Telekom blockt Kupfer-Abschaltung

Graffiti-bedeckter Zug mit sichtbaren Kabeln, Häuser mit Fenstern im Hintergrund.

Streit um Deutschlands Glasfaser-Zukunft: Telekom blockt Kupfer-Abschaltung

Deutschland plant eines seiner ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte seit Jahrzehnten: den Ersatz der Kupfernetze durch flächendeckende Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnung (FTTH). Die Umstellung soll das digitale Rückgrat des Landes modernisieren, doch Streit über Zeitplan und Regulierung hat eine Debatte entfacht. Branchenverbände und Telekommunikationsriesen liegen nun im Clinch darüber, wie – und vor allem wie schnell – der Wandel vollzogen werden soll.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat Maßnahmen vorgeschlagen, um den Ausbau der Glasfaser zu beschleunigen. Wettbewerber, darunter Verbände wie Breko und der VKU, unterstützen die Pläne und kritisieren die bisherigen Bemühungen der Bundesnetzagentur als unzureichend. Sie fordern schärfere Vorgaben, um die Anbieter stärker in Richtung Glasfaser zu drängen.

Die Deutsche Telekom hingegen lehnt einen erzwungenen Abschaltung ihrer Kupfernetze ab. Das Unternehmen argumentiert, solche Schritte verstoßen gegen deutsches Verfassungsrecht und EU-Vorgaben. Zudem sei eine Stilllegung der bestehenden Infrastruktur wirtschaftlich unsinnig, da sie bereits getätigte Investitionen zerstören würde. Die Telekom betont, ihr Netz sei bereits glasfaserbasiert, da die Leitung bis zu den Straßenverteilern (FTTC) aus Glasfaser bestehe und so Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s ermögliche. Das Unternehmen warnt, eine Abschaltung von VDSL könnte Kunden auf Vodafones Koax-Kabelnetze zwingen – die fünfmal mehr Energie verbrauchen als FTTH. Zudem kritisiert die Telekom, dass der Ministeriumsvorschlag ältere, kupferbasierte Kabel-TV-Systeme, die noch genutzt werden, ignoriert.

Derweil mahnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zur Vorsicht bei überstürzten Schritten. Ein vorzeitiges Abschalten der Kupfernetze, bevor eine zuverlässige Glasfaseralternative flächendeckend verfügbar sei, könnte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährden, so der Verband. Breko hingegen pocht auf Sonderkündigungsrechte, die es Wiederverkäufern ermöglichen sollen, Kunden schneller zu Glasfaseranbietern zu wechseln, sobald bestimmte Versorgungsquoten erreicht sind.

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Die Diskussion über den Kupfer-zu-Glasfaser-Wechsel in Deutschland bleibt damit gespalten. Während Wettbewerber und Teile der Branche auf schnellere regulatorische Eingriffe drängen, raten die Telekom und der DIHK zu Bedacht. Wie schnell – und reibungslos – sich die digitale Infrastruktur des Landes in den kommenden Jahren entwickelt, wird maßgeblich von diesem Richtungsstreit abhängen.