Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Kampfflugzeug-Pläne als "kolossalen Fehler"
Rolf-Peter ScheelEx-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Kampfflugzeug-Pläne als "kolossalen Fehler"
Der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders hat Deutschlands Pläne für einen neuen Kampfflugzeugtyp scharf kritisiert und ein Alleingang-Projekt als 'kolossale Fehlallokation von Ressourcen' bezeichnet. Seine Äußerungen stehen im Widerspruch zur aktuellen Ausrichtung der Bundesregierung auf das deutsch-französische FCAS-Programm, das mit Verzögerungen und politischen Spannungen zu kämpfen hat.
Enders argumentiert, dass die militärische Luftfahrt der Zukunft auf autonome Drohnen setzen werde – nicht auf bemannte Kampfflugzeuge. Gleichzeitig warnt er davor, US-amerikanische Plattformen zu kaufen, und plädiert stattdessen für Investitionen in die europäische Rüstungsindustrie.
Die möglichen Bestrebungen Deutschlands, ein eigenes Kampfflugzeug zu entwickeln, bezeichnete er als 'industriepolitische Hybris' – besonders dann, wenn das FCAS-Projekt mit Frankreich und Spanien scheitern sollte. Zwar räumt er ein, dass Deutschland über das technische Know-how verfüge, doch betont er die enormen Kosten und eine voraussichtliche Einsatzreife erst gegen Ende der 2040er-Jahre.
Laut Enders werden bemannte Kampfflugzeuge in zwei Jahrzehnten nahezu obsolet sein. Stattdessen sieht er die Zukunft in massenhaft produzierten, KI-gesteuerten Drohnen – günstiger, intelligenter und flexibler als herkömmliche Jets.
Seine Position bringt ihn in Konflikt mit dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury. Diese Gruppen unterstützen weiterhin FCAS, trotz anhaltender Streitigkeiten zwischen Dassault und Airbus sowie französischer Forderungen nach trägerfähigen, nuklearbewaffneten Flugzeugen.
Die Entscheidung von 2017, sich mit Frankreich statt mit Großbritannien zu verbünden, nannte Enders einen 'strategischen Fehler'. Mittlerweile schlägt er vor, Deutschland könnte dem britischen GCAP-Programm mit Italien und Japan beitreten oder mit Schweden kooperieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Bundesregierung hält jedoch offiziell an FCAS fest, auch wenn Kanzler Merz parallele Projekte für Drohnen oder bemannte Jets nicht ausschließt.
Im Bundestag wächst der Druck auf eine Entscheidung, da FCAS an Finanzierungsstreitigkeiten und technischen Differenzen scheitert. Gleichzeitig steht auch GCAP vor unsicheren Finanzierungsfragen: Italien hat zwar 8,8 Milliarden Euro pro Jahr für ein Jahrzehnt zugesagt, doch reicht das nicht aus. Die deutsche Führung betont weiterhin FCAS als Priorität und vermeidet öffentliche Debatten über Alternativen.
Enders' Warnungen verdeutlichen die tiefen Gräben in der Diskussion um Europas künftige Kampfflugzeuge. Im Mittelpunkt stehen Kosten, technologische Ausrichtung und die Frage, ob Deutschland bei FCAS bleiben oder andere Partnerschaften suchen sollte.
Angesichts der Verzögerungen bei FCAS und der Unsicherheiten um GCAP steht die Regierung unter zunehmendem Druck, ihre Verteidigungsstrategie zu präzisieren. Die Weichenstellung wird Deutschlands Rolle in der militärischen Luftfahrt der nächsten Generation für Jahrzehnte prägen.
